Es ist Ende Mai und es dauert nicht mehr lange, bis die Zandersaison 2019 in NRW beginnt. Genau am 1. Juni heißt es vermutlich für viele von euch: Raus ans Wasser, um die bereits eingestaubten Zander-Gummifische oder -Wobbler zum Zanderangeln im Fluss in Richtung Wasser zu bugsieren. Zu diesem Anlass möchte ich eurem Spot-Know-how noch mal etwas auf die Sprünge helfen, damit ihr an eurem ersten Angeltag nicht als Schneider von Dannen ziehen müsst.
Mittlerweile haben sich vor allem zwei Methoden für das Zanderangeln im Fluss durchgesetzt. Vor einiger Zeit war es noch der Gummifisch, der bei den meisten Zanderanglern das höchste Vertrauen genoß. Doch nun finden auch immer mehr Wobbler ihren Weg an die Zanderrute. Deshalb teilt sich dieser Bericht in zwei Teile:
- Zanderangeln bei Tag mit Gummifisch
- Zanderangeln in der Dämmerung/ Nacht mit dem Wobbler
Je nachdem, wonach euch der Sinn oder die Vorliebe steht, einfach runter scrollen und das Wissen auffrischen. Habt ihr noch keine eigene Zanderausrüstung? Dann ist dieser Bericht interessant für euch: Zanderausrüstung für Einsteiger.
Wo wird auf Zander geangelt?
Als Beispiel dient in diesem Blogartikel der Rhein bei Köln. Um euch die vielversprechenden Stellen beispielhaft zu zeigen, habe ich mehrere Luftbilder von Buhnen aufgenommen, auf denen die Hotspots rot markiert sind.
Nach der Schonzeit im Juni sind die Zander richtig in Beißlaune und die Sonne geht erst um 21:30 Uhr unter. Spezifischer als „Gummifisch“ oder „Wobbler“ gehe ich in diesem Bericht nicht auf Köder ein. Wenn ihr Ködertipps haben wollt, werdet ihr HIER fündig.
Uferbeschaffenheit und Wasseroberfläche lesen!
Um euch den Weg zum ersten Juni-Zander zu ebnen, müsst ihr lesen können. Nein, kein Buch oder womöglich eine Zeitung – ihr müsst das Gewässer lesen können. Diesen Vorgang würde ich grob in zwei Kapitel gliedern:
Kapitel 1: Steile Steinschüttungen
Kapitel Nr. 1 befasst sich mit steil abfallenden Steinschüttungen, denn die Chancen stehen gut, dass es unter der Wasseroberfläche auch steil weiter geht. Sucht ihr also tiefe Stellen, sollet ihr nach entsprechenden Merkmalen Ausschau halten. Diese Spekulation hat natürlich auch ihre Grenze, da je nach Wasserstand auch die steilste Buhne irgendwann in einem Sandbett endet. Habt ihr eine solche Stelle gefunden, könnt ihr diese Stelle auch vorab mit einem Blei an der Rute abtasten, um die Tiefe festzustellen und nicht direkt den ersten Gummifisch zu versenken.

Wenn ihr faul seid, könnt ihr euch auch einfach auf einen Buhnenkopf stellen, denn dort seid ihr der Fahrrinne am nächsten und somit auch dem tieferen Bereich des Flussbettes. Dadurch werden euch jedoch einige schöne Zander entgehen, die innerhalb der Buhne in den zahlreichen Löchern stehen, die durch die Strömung ausgespült werden.
Kapitel 2: Wasseroberfläche lesen
Kapitel Nr. 2 ist die Wasseroberfläche. Wenn ihr euch die Wasseroberfläche des Flusses anseht, wird euch auffallen, dass ihr Oberflächenbereiche vorfindet, die wellig sind – kleine sowie große Wellen – und Stellen, die eher glatt sind. Habt ihr eine „glatte“ Stelle gefunden, seid ihr schon gar nicht so falsch. Diese Oberflächenbeschaffenheit bedeutet nämlich, dass es auf dem Grund des Flusses an dieser Stelle nicht „monoton“ aussieht. Die glatte Stelle bedeutet, dass dort Wasser von unten nach oben gedrückt wird. Dies passiert dadurch, dass Wasser in eine Vertiefung strömt und wieder herausgedrückt wird. In diesen Vertiefungen stehen die Zander sehr gerne am Tag, da sie Deckung und Schutz vor dem Sonnenlicht bieten.

Die welligen Bereiche können dagegen tief oder flach sein. Zumindest befinden sich keine Hindernisse in nächster Nähe am Grund, da diese sonst durch Verwirbelungen an der Oberfläche sichtbar werden würden. Diese Theorie funktioniert beim Rhein sehr gut, da die Gewässertiefe nicht groß ist. Trotzdem soll dies nicht heißen, dass ihr an diesen Stellen keine Zander fangt. Jedoch sind Plätze, an denen die Wasseroberfläche gebrochen wird, tendenziell besser.
Zanderangeln bei Tag mit Gummifisch
Zanderangeln im Fluss bei Tag mit Gummifisch bezeichnet die Tageszeit von Mittag bis zur Dämmerung. Das heißt wir befinden uns in der Zeit zwischen 12 Uhr und 21:30 Uhr. Wie ihr merkt liegt der große Teil dieser Zeitspanne nicht in der besten Zeit, um Zander erfolgreich beangeln zu können – trotzdem könnt ihr mit der richtigen Technik und Stelle Erfolg haben.
Wichtig ist, dass ihr die Zander zu dieser Tageszeit verstärkt an tieferen Stellen sucht. Wie ihr diese Stellen findet, habt ihr ja (hoffentlich) gerade im oberen Teil gelesen. Außerdem würde ich bei Tag immer einen Gummifisch am Jigkopf oder Kickback-Rig bevorzugen, da der Grund des Flusses so am besten abgefischt werden kann. Auf dem folgenden Bild seht ihr eine typische Buhne des Rheins bei Niedrigwasser.

Auf dem Luftbild habe ich 3 Stellen markiert, an denen die Chancen zum Zanderangeln im Fluss erfahrungsgemäß sehr gut sind. Dazu gehört gerade bei Niedrigwasser der Buhnenkopf entlang der Fahrrinne, der Unterwasser liegende Ausläufer des Buhnenkopfes in Richtung Fahrrinne und der Prallhang des Buhnenkopfes. Wenn ihr an einer ähnlichen Stelle angekommen seid, würde ich euch empfehlen mit kurzen Würfen anzufangen und euch immer weiter von der Buhne weg zu Angeln. Damit nutzt ihr den Bereich vollständig aus und vergrault nah stehende Zander nicht, wenn ihr schon einen anderen, der weiter weg stand, im Drill habt. Sehr wichtig ist zudem, dass ihr die Köder so lange es nur geht im Wasser behaltet, da viele Zander direkt am Fuss der Steinschüttung stehen. Holt ihr euren Köder zu früh hoch, angelt ihr an diesen Zandern vorbei. Leider ist das Risiko hier sehr hoch, dass ihr einen Abriss durch Hänger erleidet.
Nachdem ihr die strömungsabgewannte Seite abgefischt habt, könnt ihr euch der strömungszugewannten Seite widmen. Diese Seite zu beangeln ist etwas anspruchsvoller, da euch der Köder dauerhaft entgegengedrückt wird. Das macht eine Bisserkennung hin und wieder etwas schwierig. Außerdem ist das Hängerrisiko an dieser Seite noch höher, da euer Köder alleine durch die Strömung schon in die Steinpackung gedrückt werden kann, wenn ihr nicht aufpasst. Um das zu verhindern, haltet ihr während des gesamten Jiggens die Rute möglichst steil nach oben. Daurch habt ihr mehr Kontrolle und könnt schneller agieren, wenn ihr Hindernisse spürt. Gerade auf dieser Seite habe ich die Erfahrungen gemacht, dass die Zander sehr nah an der Buhne, bzw. Steinpackung stehen.
Generell solltet ihr darauf achten, das Gewicht eures Jigkopfes an die Gegebenheiten anzupassen. In der einen Situation können 14 g ausreichen, während ein paar Meter weiter schon 20 g oder gar 25 g erforderlich sind, um Grundkontakt zu halten. Scheut euch hier nicht vor großen Jigkopf-Gewichten. Durch die Strömung wird das Gewicht des Jigs relativ und der Zander spürt beim Einsaugen nicht unbedingt einen Unterschied zwischen 14 g und 25 g.
Zanderangeln bei Nacht mit Wobbler
Zanderangeln im Fluss in der Dämmerung bzw. Nacht unterscheidet sich völlig zum Zanderangeln bei Tageslicht. Dies liegt daran, dass die Zander nun aktiv auf die Jagd gehen, um sich ihre Beute zu suchen. Ganz oben auf dem Speiseplan stehen Jungfische, die sich zum Leitwesen der Zander nicht nahe der Fahrrinne in tiefen Löchern aufhalten. Diese Fische stehen eher ufernah in den flachen strömungsberuhigten Bereichen des Flusses. Deshalb verlassen die Zander in der Dämmerung oder spätestens in der Dunkelheit ihre Tagesstandplätze – zumindest die, die Lust darauf haben.
Der Gummifisch am Jigkopf spielt vor allem bei größeren Tiefen seine Vorteile aus. Jetzt in der Dämmerung im flachen Wasser, würde ich euch zu flachlaufenden Wobblern raten. Der Wobbler kann sehr flach und langsam geführt werden, worauf die Zander im dunkeln abfahren. Außerdem habt ihr wesentlich weniger Hänger als bei der Angelei mit Gummifischen. Durch den flachen Lauf gewährleistet ihr außerdem, dass ihr immer in der heißen Zone bleibt und nicht aus Versehen unter den Zandern her angelt. Im folgenden Foto seht ihr, welche Bereiche ihr in der Dämmerung und Nacht auf Zander beangeln solltet.

Betrachtet ihr das Bild, fällt euch sofort auf, dass sich die Standplätze der Zander erheblich von denen bei Tag unterscheiden. Wie schon beschrieben kommen die Zander bei Nacht wesentlich näher ans Ufer als am Tag. Da der Rhein innerhalb der Buhne oft schnell flach wird, spielen flachlaufende Wobbler nun eine große Rolle. Eure Köder könnt ihr nun ruhig sehr nah und parallel zur Steinpackung einholen. Langsam ist hier die Devise. Die Erfahrung hat auch gezeigt, wenn ihr euch in eurem Revier noch nicht so gut auskennt – wandert ruhig etwas. Ich habe es oft erlebt, dass Zander in Beislaune auch recht zügig an den Köder gehen. Das heißt 15 min pro Platz reichen oft völlig, um auszutesten, ob ein beißfreudiger Stachelritter am Platz ist.
Fazit
Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Bericht über das Zanderangeln im Fluss etwas auf die Sprünge helfen oder Wissen auffrischen. Wenn ihr Erfolg hattet, freue ich mich über ein Feedback. Und hier noch ein kleines Motivationsbild, um die Vorfreude auf den Juni richtig anzufachen.

29/05/2019 @ 17:47
Sehr schöner Artikel! Gut beschrieben mit den Bildern.
Vielleicht verhilft er mir zum ersten Rheinzander. Falls ich am Samstag was fangen sollte, melde ich mich wieder 😉
Vielen Dank.
29/05/2019 @ 19:55
Hallo Erwin,
vielen Dank. Wir drücken dir die Daumen und wünschen Petri Heil.
Wir sind auf deine Rückmeldung schon gespannt.
30/05/2019 @ 21:05
Sehr gut und detailreich geschrieben und deckt sich mit meinen Erfahrungen am Kölner Rhein.
Wäre noch gut (für deinen Blog), wenn du nochmals ein wenig mehr auf Rechtschreibung und Groß-und Kleinschreibung achten würdest – denn deine Sprache ist sonst sehr adäquat. Soll keine Kritik sein, macht es aber noch überzeugender…
30/05/2019 @ 22:27
Hi, vielen Dank für deine nette Nachricht. Die Kritik kam zurecht und wir haben uns diese direkt zu Herzen genommen. Wir haben den Beitrag nochmal überarbeitet und jetzt sollte es passen. Vielen Dank und beste Grüße!